Archiv / 2009

Ausstellung
Mind the Gap

19. Mai 2009 – 04. September 2009, Werkraum im Hamburger Banhof, Berlin (D)

Die Ausstellung "Mind the Gap" präsentiert hauptsächlich skulpturale Werke, die sich mit Zwischen- und Hohlräumen, mit Zuständen in der Schwebe und mit Diskrepanzen beschäftigen.

„The gap“ (Kluft, Abstand, Lücke, Spalt, Riss) wird in den Interventionen und „Anarchitekturen“ von Gordon Matta-Clark physisch greifbar und ist in Via Lewandowsys Raumskulptur Berliner Zimmer ein wesentliches skulpturales Element. Mit akustischen Mitteln gräbt sich Ceal Floyer in unsere Imagination hinein und Isa Genzkens Architekturen tragen das Merkmal des Instabilen und Brüchigen weit mehr in sich, als das der Stabilität. Mit Schnitten und Spalten, Löchern und Durchbrüchen wird festes Terrain verunsichert und Eindeutigkeit ins Wanken gebracht.

„The gap“ manifestiert sich aber auch implizit: in der Diskrepanz zwischen Gegenstand und Kunstwerk, zwischen funktionalem Objekt und skulpturalem Ausdruck. Hier dienen Durchbrüche, Lücken und Unvollständigkeiten als Demarkationslinie zwischen alltäglicher und künstlerischer Gegebenheit. Es ist aber eine Grenze, die im Prozess der Betrachtung immer wieder überschritten werden kann. Die Uneindeutigkeit zwischen künstlerischer Intervention und einer dem Leben entlehnten Struktur, zwischen Abstraktion und Gegenstandsbezug, zwischen formalen und narrativen Lesarten eröffnet dem Betrachter ein Spielfeld.
 

Ausstellung
Die Kunst ist super!

05. September 2009 - 14. Februar 2010, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)

Mit "Die Kunst ist super!" präsentiert sich der Hamburger Bahnhof wie auch die Friedrich Christian Flick neu. Auf über 10 000 Quadratmetern werden Werke der Nationalgalerie, Sammlung Marx und Friedrich Christian Flick Collection sowie der Sammlung Marzona in thematischen, monografischen und motivischen Konstellationen, in überraschenden Dialogen und beziehungsreichen Einzelauftritten in Szene gesetzt. Punktuell wird der Bestand des Museums um Leihgaben von Künstlern ergänzt, die zum Teil eigens für die Räume des Museums konzipiert werden, sowie um Leihgaben aus den reichen Sammlungen der Berliner Museumslandschaft.

Der Kontrast zwischen den strengen Formen der Minimal Art und der wuchernden Struktur der "Gartenskulptur" von Dieter Roth, zwischen den mit Spiegeln verkleideten monumentalen Kuben von Isa Genzken und den über die Wände tanzenden Linien von Otto Zitko, prägt die vornehmlich mit Werken aus der Friedrich Christian Flick Collection realisierte Präsentation in den Rieckhallen. Eindrückliche Bilder für die Unbehaustheit des Menschen etwa von Bruce Nauman oder Absalon stehen dem wohnlich eingerichteten "Heim" von Franz West oder dem mit riesigen roten Sitzmöbeln und TVSet ausgestatteten "Zimmer" von Pipilotti Rist in einem der Filmräume im Untergeschoss gegenüber.

In einer Zeit, in der vermeintlich stabile Wertesysteme in eine Krise geraten sind und sich als äußerst labile Konstrukte erweisen, zeigt sich die Kunst in dieser Neupräsentation des Hamburger Bahnhofs in all ihrer Beweglichkeit und Komplexität, in ihrer Hand in Hand gehenden Produktion von Fiktionen und Ent-Täuschung von Illusionen als verlässliche Größe: Die Kunst ist super!

Ausstellung
Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden.
Dekonstruktionen des Künstlermythos. 

03. Oktober 2008 - 22. Februar 2009, Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, Berlin (D)

Anlässlich der Ausstellungsreihe "Kult des Künstlers" setzt sich die Ausstellung in den Rieckhallen mit den verschiedenen Ansätzen zur Dekonstruktion des Künstlermythos auseinander. Diese führen in der Kunst seit 1960  die Ambivalenz von altbekannten Künstlerrollen zwischen Auflösung und Bestätigung vor und stellen die gesellschaftlichen Erwartungen an die Figur des Künstlers bzw. der Künstlerin zur Diskussion.

Das Bild und die Vorstellung vom autonomen, genialisch schaffenden Künstler wurden bereits in den Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise attackiert. Seit den 1960er Jahren haben Künstlerinnen und Künstler die Kritik an einem heroischen Künstlerbild weiter vorangetrieben, häufig verbunden mit der radikalen Infragestellung eines am autonomen Werk orientierten Kunstbegriffs.

Zum Teil beeinflusst vom Diskurs über den "Tod des Autors" und begleitet von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Institution Kunst, haben sie verschiedene Stereotypen, die mit der Konzeption des meist männlich gedachten Künstlergenies in Verbindung gebracht wurden, befragt und dekonstruiert.

Herkömmliche Modelle von Autorschaft werden dabei ebenso auf den Prüfstand gestellt wie traditionelle Auffassungen von männlicher und weiblicher Kreativität. Mal humorvoll, mal sarkastisch, mal destruktiv wird die Position des Künstlers oder der Künstlerin im Kunstbetrieb reflektiert, und Kategorien wie Authentizität und Subjektivität werden hinterfragt.
Gezeigt werden Werke von Francis Alÿs, Art & Language, Azorro, Bernadette Corporation, George Brecht, Marcel Broodthaers, Marcel Duchamp, Maria Eichhorn, VALIE EXPORT, Peter Fischli & David Weiss, FLUXUS, Andrea Fraser, Dan Graham, Rodney Graham, Richard Jackson, Christian Jankowski, Martin Kippenberger, Sarah Lucas, Paul McCarthy, Bruce Nauman, Adrian Piper, Pipilotti Rist, Ugo Rondinone, Dieter Roth, Ed Ruscha, Antje Schiffers, Cindy Sherman, Sturtevant, Vibeke Tandberg und Lawrence Weiner aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und anderen Sammlungen.

Zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe des Magazins "Museum für Gegenwart".
 

Jason Rhoades

Collector's Choice. Künstlermonographien aus der Friedrich Christian Flick Collection. Band 9
ISBN 978-3832191504

Trotz seines frühen Todes hinterlässt Jason Rhoades ein reiches bildhauerisches Werk. Eva Meyer-Hermann zeichnet hier erstmals die gesamte Entstehung dieses auf den ersten Blick unentwirrbar erscheinenden, ganze Hallen füllenden Werks von Installationsarbeiten chronologisch nach und liefert exemplarische Interpretationen.
 

Die Anfänge von Jason Rhoades’ Arbeit liegen in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren, als er an der University of California in Los Angeles bei Richard Jackson und Paul McCarthy studiert. In einer Zeit also, in der die Performance-Szene Südkaliforniens beginnt, sich dem Ausstellungswesen und dem Kunstmarkt von New York und Europa zu öffnen.
Rhoades bezieht performative Elemente in seine raumgreifenden Installationen mit ein und entwickelt daraus eigene, thematische Werkzyklen. Seine bildhauerische Sprache ist von Elementen der Massenkultur geprägt und entwickelt unter großem physischen Aufwand Metaphern, die – in ihrer Vergänglichkeit und Unwiederholbarkeit – für unerfüllte Sehnsüchte nach spiritueller Erkenntnis stehen.